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Statistiken

Soft Machine: Thirteen (Review)

Artist:

Soft Machine

Soft Machine: Thirteen
Album:

Thirteen

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Progressive- und Jazz-Rock, Fusion

Label: MoonJune Records
Spieldauer: 64:35
Erschienen: 13.03.2026
Website: [Link]

SOFT MACHINE!
Ein Name, der seit nunmehr unglaublichen 60 Jahren (Oh ja, genau diese aus Canterbury stammende Band – von der bis auf den 81-jährigen ROBERT WYATT bereits alle Gründungsmitglieder verstorben sind – gehörte ab 1967 neben den PINK FLOYD mit SYD BARRETT zu den absoluten Lieblingen des Londoner Undergrounds!) für die allererste Güteklasse progressiven Jazz-Rocks steht, bei dem es der Band tatsächlich jedes Mal gelingt, sich neu zu erfinden und dabei dem Jazz-Rock-Genre immer wieder eine farbenprächtige neue Nuance hinzuzufügen.
Und ja! Auch auf „Thirteen“, unschwer als das 13. SOFT MACHINE-Album zu erkennen, trifft diese Aussage in vollem Maße zu!


Einen neuerdings ganz besonderen Anteil hat hierbei der einzigartige Saxophonist THEO TRAVIS von TANGENT, der mit seinem extrem progressiv gespielten Instrument SOFT MACHINE anno 2026 eine fast für jeden Jazz-Rock- und SOFT MACHINE-Freund süchtig machende Klangfarbe hinzufügt, die sogar auf „Turmoil“ bis zur wildesten Free-Jazz-Eruption ausbrechen kann.
Ist das nun modern oder retro?
Einigen wir uns einfach auf beides – und sind begeistert, denn „Thirteen“ reiht sich locker unter die besten Alben in der SM-Diskographie ein.


Grundsätzlich ist auf „Thirteen“ die Zahl 13 thematisch wie musikalisch Programm: 13 Instrumentalstücke, von denen das längste („The Longest Night“) 13 Minuten Spielzeit aufweist, machen das über einstündige Album aus, das noch dazu an einem Freitag, dem 13. (März 2026), erschien. Sinn für Humor und Details, obwohl ja gerade der Jazz-Rock für viele mehr in die 'Ernsthafte Musik'-Schublade eingeordnet wird.

Federleicht und hammerhart zugleich mischen SOFT MACHINE auch auf „Thirteen“ wie bereits vor 60 Jahren progressive improvisierten Rock mit Jazz und Avantgarde sowie einer gehörig fetten Psychedelic-Portion und machen mit dieser Musik auch dem abgefahrenen, an „Naked Lunch“ erinnernden, Roman von William Burroughs, nach dem sie sich einst benannten, alle Ehre.
Allerdings bringt – wohl gerade durch die neue Besetzung – der Maschinen-Sound nunmehr deutlich progressiver rockende als jazzende Klänge mit sich. Daran könnten sich die Fans der frühen Alben oder gar noch der ersten Stunde ein wenig reiben. Nur wie war das mit der Eiche und dem Wildschwein?

Jedenfalls ist die aktuelle Band-Besetzung, neben dem SOFT MACHINE-Urgestein (aber nicht Gründungsmitglied) John Etheridge an der Gitarre, absolut beachtlich. Asaf Sirkis am Schlagzeug, bekannt für seine Zusammenarbeit mit MARK WINGFIELD oder MARKUS REUTER und DWIKI DHARMAWAN. Noch dazu ist das letzte noch lebende Bandgründungsmitglied Robert Wyatt gerade von diesem Mann hinter den Fellen absolut überzeugt: „Ich kenne Asafs Begabung schon seit Jahren, sicherlich lange genug, um sagen zu können, dass es meiner Meinung nach nichts gibt, was er nicht kann, wenn er sich darauf konzentriert … seine Fähigkeiten am Schlagzeug werden immer besser, aber was mich wirklich beeindruckt, sind seine ätherischen, eindringlichen Kompositionen …“
So ist Sirkis auch gleich an vier Kompositionen auf dem Album beteiligt und wird dabei nur von Theo Travis mit sieben Kompositionen für „Thirteen“ übertroffen.


Als vierter im Bunde steuert der britische Bassgitarrist Fred Thelonious Baker, der bereits seit 2021 Bandmitglied ist, sein ganzes (übrigens klassisch geschultes) Können bei.

Die 'neuen' SOFT MACHINE wildern auf „Thirteen“ so durch solche (oft ziemlich eingängigen) Jazz-Strukturen wie man sie von PAT METHENY oder dem MAHAVISHNU ORCHESTRA kennt, allerdings deutlich mit progressiven Rock-Ausflügen in Richtung CARAVAN oder CAMEL verbunden. Hier ist tatsächlich für jeden Jazz- wie Prog-Freund, der auf komplexere wie harmonische Strukturen, mit dem einen oder anderen wilden Ausbruch steht, etwas dabei, selbst wenn der ein paar Übergang etwas abrupt und nicht immer schlüssig zusammenzupassen erscheinen.
Einen besonderen, unwiederbringlichen Leckerbissen hebt sich das Quartett dann für ihr Album-Finale auf: „Daevid's Special Cuppa“ ist in gewisser Weise ein Gedenk-Stück an den frühen SOFT MACHINE-Gitarristen DAEVID ALLEN (vielen garantiert auch von der verrücktesten Teekannen-Zeit GONGs bekannt), bei dem er damals noch ein bis dato erhaltenes Gitarrenstück spielte, um das die 'neue' Band nun ihre Musik einspielte, so als wäre das Stück gerade erst aufgenommen worden. Eine besondere Ehre und tiefe Verbeugung der Band vor dem vor über 10 Jahren verstorbenen Musiker.


FAZIT: Ein Name, der für psychedelisch-progressive Jazz-Rock-Qualität spricht und bereits in den Mittsechzigern im Londoner Underground ersten Legendenstatus erarbeitete: SOFT MACHINE. Noch immer in wechselhaften, aber ungemein spannenden Besetzungen aktiv, legen sie dieses Mal mit John Etheridge, Theo Travis, Asaf Sirkis und Fred Thelonius Baker unter „Thirteen“ ein knackiges 13. Album vor, das gut und gerne an den hohen SOFT MACHINE-Maßstäben gemessen werden kann, dabei aber stärker auf die progressiven als die jazzigen Momente setzt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 37x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Lemon Poem Song
  • Open Road
  • Seven Hours
  • Waltz For Robert
  • The Longest Night
  • Disappear
  • Green Books
  • Beledo Balado
  • Pens To The Foal Mode
  • Time Station
  • Which Bridge Did You Cross
  • Turmoil
  • Daevid's Special Cuppa

Besetzung:

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