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Numen (Alicante): The Outsider (Review)

Artist:

Numen (Alicante)

Numen (Alicante): The Outsider
Album:

The Outsider

Medium: Download/Do-CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Astronomy Recording Music/Just For Kicks
Spieldauer: 102:03
Erschienen: 14.08.2026
Website: [Link]

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Wer glaubt, es bei NUMEN mit den spanischen Black-Metallern gleichen Bandnamens zu tuen zu haben, der wird wohl enttäuscht sein, wenn ihm plötzlich auf „The Outsider“ statt Schwarzmetallischem tatsächlich Progrockiges begrüßt. Bei dieser ebenfalls aus Spanien kommenden Band handelt es sich um die 1992 in Alicante gegründeten und nach ihrem Album „Samsara“ (1998) längere Zeit pausierenden neo-orientierten Prog-Rocker, die sich mit dieser „The Outsider“-Doppel-CD an das mutige Unterfangen heranwagen, eine 100-minutige, melodische, aber auch komplexe Prog-Rock-Oper in zwei Akten über die Außenseiter unserer Zeit zu präsentieren.


Als ganz großer Glücksgriff erweist sich hierbei ihre neue Sängerin Alba Hernández, deren stimmliche Ausstrahlung sich zwischen einer TORI AMOS und KATE BUSH bewegt, auch wenn sie die Aura der beiden vokalen Grand-Damen noch nicht ganz erreicht. Eingerahmt wird diese charismatische Stimme in symphonischen Prog sowie eine wie ein Bühnenstück gestaltete Handlung mit vielen deutlich zwischen den Songs erkennbaren Übergängen sowie (männlichen) Sprachpassagen und eine breite Instrumentierung, in denen zusätzliche Bläser und Streicher zum Einsatz kommen, während E-Gitarren durchaus auf floydianische Momente setzen und die Keyboards oft düstere Klangflächen entfalten, um Spannung aufzubauen.


Die Thematik greift zudem auf Futuristisches wie Reales zurück – erinnert so manchmal an AYREON – während es um Identitätskrisen, Entfremdung (bei dem Titel ja logisch) und Spiritualität geht. Die Fragen: 'Wo kommen wir her?' und 'Wo geht das hin?' stehen durchgängig im Raum. Die Band greift hierbei auf religiöse Werke wie die Bibel gleichermaßen wie Gedichte oder Texte von Mark Twain zurück. Da diese umfangreiche Geschichte ein Booklet gesprengt hätte, kann man diese unter der Band-Homepage als pdf-Datei zweisprachig herunterladen.


NUMEN selber fassen ihre chronologisch erzählte Geschichte kurz zusammen: „'The Outsider' erzählt uns anhand seiner Hauptfigur Paul von einem weniger spirituellen und eher materialistischen Menschen, der sein leeres Leben mit flüchtiger und oberflächlicher Befriedigung füllt. All seine ungelösten Konflikte werden ihn an einen Punkt führen, an dem es kein Zurück mehr gibt.“

Nie wird uns dabei mit einem moralischen Zeigefinger vorm Gesicht rumgefuchtelt, sondern so lange nachdenklich am Kopf gekratzt, bis die Haare auszufallen drohen.
Ein Album voller Zweifel. Gleichermaßen aber auch eins voller Hoffnung. Und vor allem eins, das dem großen symphonischen Klang gleichermaßen huldigt wie der komplexen Progressivität.


Dass sogar der MARILLION-Gitarrist Steve Rothery am Ende des ersten Aktes in „White Lies“ ein ganz typisches Gitarren-Solo beisteuert, verweist auf weitere offensichtliche Parallelen hinter „The Outsider“, welche sich zwischen MARILLION, IQ und PENDRAGON gleichermaßen wie bei de(re)n großen Vorbildern GENESIS bewegen.
Demgegenüber stehen zusätzlich Saxophon-Einsätze, welche für viel Spannung sorgen und die Musik immer wieder in andere – als symphonische oder neuprogressive – Richtungen treibt. Diese bestechen besonders im 1. Akt (auf CD 1), lassen leider ein wenig im zweiten nach.


Nachdem der erste Akt eine ganze Stunde in Anspruch nimmt, begnügt sich der zweite mit gut 40 Minuten, die nach dem getrageneren, düsteren ersten Teil anfangs beschwingter zur Sache geht und den Spannungsbogen steigert, um ihn dann im großen Finale mit dem Tod des Außenseiters auf die wiederum finstere Spitze zu treiben, während am Ende in „Metamorphoseis“ die Erkenntnis offenbart wird, dass zwar Pauls Körper tot ist, seine (gereinigte) Seele aber lebt.

Nun ja, manchmal schadet in finsteren Zeiten ein wenig Optimismus tatsächlich nicht.
Und auch der CD-Doppeldecker „The Outsider“ im dreiflügeligen Digipak mit vierseitigem Booklet stimmt alle Freunde guten Progressive Rocks mit Hang zu einem ausschweifenden theatralischen Konzept ganz bestimmt optimistisch.


FAZIT: Die spanischen Prog-Rocker NUMEN bezeichnen „The Outsider“ selber als eine Rock-Oper in zwei Akten, die allerdings während der 100-minutigen Laufzeit auf drei entscheidenden Säulen steht: der progressiven wie spannenden thematischen Ausrichtung; der breiten symphonischen Instrumentierung; der charismatischen Sängerin. Nicht zu vergessen die theatralische Geschichte um den oberflächlichen Außenseiter Paul, der hinter seinem materiellen Streben wortwörtlich nach und nach seine Seele verkauft. Eine ehrgeizige, spannende Doppel-CD, die vom Neo- bis zum Retro-Prog zum sich steigernden Musik-Spektakel wird, das wie ein spannendes Bühnenstück – allerdings bisher nur zum Hören geschaffen – jede Menge Applaus verdient hat.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 26x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 = Act 1 = (60:59):
  • Overture
  • Any Day On Urantia
  • Tears Don't Fall
  • Temptations
  • A Bad Feeling
  • Toys
  • PRISTIQ
  • White Lies
  • CD 2 = Act 2 = (41:04):
  • Sophia
  • Two Natures In An Elevator
  • He Said No
  • Test The Wall
  • How To Cut Your Throat While Shaving
  • The Abyss Of Nonbeing
  • The Outsider's Funeral
  • Metamorphoseis

Besetzung:

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