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Frank Zappa: ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition (Review)

Artist:

Frank Zappa

Frank Zappa: ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition
Album:

ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition

Medium: LP/Do-LP/Deluxe/LP farbig/Remaster/Ltd. Box
Stil:

Zappa, Captain Beefheart und Mothers, passend für alle Größen

Label: UMG Recordings/Universal Music Enterprises
Spieldauer: 78:35
Erschienen: 28.03.2026
Website: [Link]

Wenn der bekennende Dylan-Fan Wolfgang Niedecken aus Anlass seines 75. Geburtstags und des halbjahrhundertigen Bestehens von BAP im 'Rolling Stone' unumwunden äußert, dass er mindestens ebenso sehr von ZAPPA wie von BOB DYLAN beeinflusst war, will man ihm das im ersten Moment gar nicht glauben. Im zweiten Moment aber ergibt sich daraus eine Logik, wenn man einfach Niedeckens Texte genauer liest und gerade auf den Live-Aufnahmen so einige musikalische Schlenker genauer hört. Da lebt ja doch der Geist von Zappa in diesem kölschen Jung und Querkopf. Doch wenn Herr Niedecken auf ZAPPA steht, dann wird ihm besonders gerade dieses Album viel Freude bereiten, weil hier ein oller Musik-Kumpel mit ins Spiel kommt, der durchaus auch dylaneske Züge in sich trägt: Don van Vliet aka CAPTAIN BEEFHEART – ein Name den ihm Zappa verpasst hatte. Noch dazu kannten sich die Beiden seit ihrer Teenager-Zeit in den 1950er-Jahren und sie verband ihre gemeinsame Liebe zu Blues, R&B, Doo-Wop und Outsider-Kunst, während sie selber den Traum mit sich herumtrugen, eine radikal neue Art von Musik, die sich über jegliche Konventionen hinwegsetzte, zu schaffen. Jeder sollte für sich – und einmal tatsächlich gemeinsam – diesen Traum umsetzen.

Was für ein verrücktes Gespann das damals – vor einem halben Jahrhundert – doch war: dieser FRANK ZAPPA und dieser von Zappa CAPTAIN BEEFHEART geadelter Don van Vliet, die beide für sich schon Unmengen irrsinnig anmutender Ideen in sich trugen und permanent an deren – oft unglaublichen musikalischen wie textlichen – Umsetzung tüftelten und damit der Musikwelt mitunter den Atem oder gar den Verstand raubten. Atemlos durch die Nacht – so gesehen, aber als ein ganz anderes Kaliber.


Was also konnte dabei herauskommen, wenn diese beiden Musik-Wirrköpfe sich zusammentun, um ein Album zu veröffentlichen?
Gemeint ist natürlich „Bongo Fury“. Ein gerade seinen halbjahrhundertigen Geburtstag feiernder schwarzrilliger Wahnsinn, damals noch auf nur zwei Rillen gepresstes Musik-Feuerwerk, das als „ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition“ gleich vier Rillen – und damit zwei LP's zur Verfügung gestellt bekommt, damit gleich noch ein paar sehr rare Aufnahmen der Beiden aus dieser „Bongo Fury“-Zeit die klangtechnisch meisterhaft gemasterte Doppel-LP vervollkommnen. Doch es gibt noch deutlich mehr zu dieser Ausgabe mit hinzu – doch dazu später, wenn dies Geschichte zu diesem Album so weit zu Ende erzählt ist...


Der Anfang, bevor es zu „Bongo Fury“ kam, ging nämlich gehörig holprig vonstatten, sodass es wie ein Wunder erscheint, dass wir heute tatsächlich die „ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition“ in den Händen halten dürfen. Denn nachdem Beefheart sein legendäres Album „Trout Mask Replica“ (1969) mit der Hilfe von Zappa (van Vliet revanchierte sich dafür mit einem Auftritt auf Zappas „Hot Rats“, indem er „Willie The Pimp“ seine Stimme verlieh!), welcher sich neben van Vliet als Produzent verantwortlich zeichnete, veröffentlicht hatte, zerstritten sich die beiden so sehr, dass jeder seine eigenen Wege ging und den Anderen links liegen ließ.
Vielleicht waren beide einfach – trotz ihres gemeinsamen Ziels: der Bruch mit etablierten Musik-Kulturen – zu verschieden. Schließlich war der Eine (FRANK ZAPPA) ein extrem pingeliger Perfektionist, der Andere (CAPTAIN BEEFHEART) war hingegen für seine unberechenbare Eigenwilligkeit und Unzuverlässigkeit berühmt-berüchtigt.

Trotzdem kreuzten sich beider Wege wieder und heraus kam dabei dieses wohl ungewöhnlichste Live-Album aus dem Hause ZAPPA, bei dem neben CAPTAIN BEEFHEART zugleich die kompletten MOTHERS mitwirkten. Das erinnert den Ossi an die beiden Magnet-Hunde aus der DDR, der Eine schwarz und der Andere weiß, die immer durch das Magnet eng aneinander hingen, aber nicht etwa vorne an den Schnauzen, sondern immer hinten am Arsch geklettet. Der Besitzer musste selber entscheiden, wen er nun vorne frei gab und wen er hinten schnüffeln ließ.


Schon das seltsame Album-Cover mit den Beiden strahlt nicht gerade die intime Atmosphäre inniger Freundschaft aus, sondern zweier seltsamer Typen, die jeder für sich ihre Aura verbreiten. Zappa mit bösem, bestimmenden Blick in die Kamera und Beefheart mit 'Leckt mich verdammt nochmal am Arsch'-Attitüde. Na, das kann ja was werden!?
Wird es auch!

Gerade diese seltsame Gegensätzlichkeit kommt auf dem Live-Album deutlich zum Ausdruck – hier wird nicht nur mit- sondern auch gegeneinander musiziert. Schräge – oft vom Blues getränkte Töne treffen auf ähnlich schräges ZAPPAeskes, wobei dann Außergewöhnliches übrig bleibt, das oft von dem einzigartigen Gesang oder dem Interpretieren von Gedichten eines van Vliet geprägt ist.
Man höre nur den grandiosen „Muffin Man“ und frage sich, ob ein Mr. Zappa diesen auch nur ansatzweise ohne seinen kongenialen Gegenpart hinbekommen hätte.
Auch zählen Zappas Gitarrenausflüge auf dem Elfminüter „Advance Romance“ mit zu seinen besten, getreu seinem Grundsatz: 'Halt einfach deine Schnauze und spiel die Gitarre!'.


Nun also gibt es diese nicht unumstrittene LP als erweiterte Doppel-LP und für die zahlungskräftigen Zappa-Fans als Super-Deluxe-Edition mit sechs Discs (5 CDs/1 Blu-ray Audio) mit insgesamt 57 Titeln, von denen über 80 Prozent bisher unveröffentlicht sind, unter dem Titel „ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition“.
Insgesamt muss wiederum beeindruckt zu den Extras festgestellt werden, dass die es echt in sich haben:
* der Sound ist schlicht umwerfend (2025-Stereomischung des Live-Materials aus den 16-Spur-Masterbändern von Craig Parker Adams, die von John Polito bei Audio Mechanics remastert wurden – alles wiederum produziert von Joe Travers);
** gepresst ist das alles auf brettschwerem 180g-Vinyl;
*** hinzu kommt ein faszinierendes 16-seitiges LP-Booklet voller rarer Fotos und den Hintergrundgeschichten, erzählt von Denny Walley und John Travers;
**** ein kunstvolles Schwarz-Weiß-Foto (hochwertig gedruckt, sodass man es sofort einrahmen könnte), das beide Musiker diesmal mit einem zwar ernsten, aber hoffnungsvollen Blick und richtig gesittet darstellt, sodass beide tatsächlich auch in Schwiegermutters Herzchen geschlossen würden;
***** und natürlich: die Bonus-LP! Diese bringt nun endgültig das auf den Punkt, was anno 1975 nicht möglich war, da sich „Bongo Fury“ auf nur eine LP beschränkte. Hierzu gibt es eine ausführliche Info von der Promotion-Abteilung, die keinesfalls dem Leser und ZAPPA-Fan vorenthalten werden sollte – also los geht’s: „Nach Abschluss der Tournee kehrte Zappa im Sommer ins Record Plant zurück, um das Album aufzunehmen. Der Großteil davon stammte aus den beiden Armadillo-Shows, die mit einigen sehr raffinierten Schnitten und Overdubs bearbeitet wurden, sowie aus Material, das aus Sessions in den Caribou Studios im Dezember 1974 stammte. ZAPPA hatte auch zwei Titel des Albums – 'Carolina Hard-Core Ecstasy' und '200 Years Old' – länger geschnitten, musste sie jedoch aufgrund der begrenzten Länge einer Vinyl-Seite kürzen, um sie an die Anforderungen anzupassen.


Beide Titel sind nun in ihrer ursprünglichen Länge im Bonus-Teil der Sammlung wiederzufinden. '200 Years Old' enthält sowohl ZAPPA als auch CAPTAIN BEEFHEART, die gemeinsam im Studio singen, überlagert von einem Titel, der einige Monate zuvor in den Caribou Studios aufgenommen wurde. Die längere, achtminütige Version bietet nun mehr Soli und Gesangaufnahmen aus dem veröffentlichten Master. Ebenfalls enthalten auf 'Bonus Fury' ist das unveröffentlichte Juwel 'Born To Suck', auf dem die Beiden während der Produktion von 'Bongo Fury' im Studio über das Gitarrensolo von 'Florentine Pogen' aus 'One Size Fits All' singen.“
Spannend? Und wie!
Lohnenswert? Unbedingt!


FAZIT: Ein weiteres geburtstägliches Prachtstück zum 50. aus dem Hause FRANK ZAPPA, dieses Mal mit seinem Busenfreund und manchmal auch Erzfeind CAPTAIN BEEFHEART ist dieses „ZAPPA / BEEFHEART / MOTHERS Bongo Fury - 50th Anniversary Edition“. Wie längst bei allen ZAPPA-Veröffentlichungen (auf 180g-Vinyl) gewohnt, von allerhöchster Qualität in puncto Musik, Sound und Gestaltung (plus Bonus-LP, fettem LP-Booklet, kunstvollem Foto). Man kommt einfach nicht umhin, sich als Sammler und Musikfreund auch dieses Album in seine riesige ZAPPA-Sammlung, die längst ein ganzes Plattenregal einnimmt, zu stellen. Es lohnt sich wirklich.

PS: Wer nunmehr auch auf die in der Review bereits erwähnte, ganz spezielle Luxus-Ausgabe neugierig geworden ist, hier alle wichtigen Details, welche man vor einer Kaufentscheidung wissen sollte:


5CD + 1BLU-RAY AUDIO SUPER DELUXE EDITION
CD 1
Bongo Fury – The Original Album – 2012 Remaster + Bonus Fury – Bonus Tracks
The Original Album

1. Debra Kadabra
2. Carolina Hard-Core Ecstasy 
3. Sam With The Showing Scalp Flat Top 
4. Poofter’s Froth Wyoming Plans Ahead 
5. 200 Years Old 
6. Cucamonga 
7. Advance Romance 
8. Man With The Woman Head 
9. Muffin Man 
Bonus Fury – Bonus Tracks
10. Carolina Hard-Core Ecstasy (Long Version) 
11. Man With The Woman Head (Isolated Vocal) 
12. Muffin Man / A Little Green Rosetta (Alternate Take) 
13. 200 Years Old (Long Version) 
14. Born To Suck (Vocal Session Snoop) 
15. Born To Suck 
 
CD 2
Armadillo World Headquarters – Live In Austin, TX, 5/20/1975

1. 5-20-75 Show Start 
2. “Put A Shirt On Man” 
3. Apostrophe’ 
4. Stink-Foot 
5. I’m Not Satisfied 
6. Debra Kadabra 
7. Carolina Hard-Core Ecstasy 
8. The Velvet Sunrise 
9. Pound For A Brown – Part I 
10. Pound For A Brown – Part II 
11. Sleeping In A Jar 


CD 3
Armadillo World Headquarters – Live In Austin, TX, 5/20/1975

Continued
1. “Enjoy The Steambath” 
2. The Torture Never Stops (Original Version) 
3. Camarillo Brillo 
4. Muffin Man 
5. Advance Romance 
6. Montana 
7. Duke’s Things 
8. Sam With The Showing Scalp Flat Top 
9. Poofter’s Froth Wyoming Plans Ahead 
10. Echidna’s Arf (Of You) / Terry’s Solo 
11. The Ampeg Mini-Moog Controller Guitar Experiment 
12. Willie The Pimp 
 
CD 4
Armadillo World Headquarters – Live In Austin, TX, 5/21/1975

1. “Good Evening, Ladies And Gentlemen” 
2. Apostrophe’ 
3. Stink-Foot 
4. I’m Not Satisfied 
5. Debra Kadabra 
6. Carolina Hard-Core Ecstasy 
7. The Velvet Sunrise 
8. Pound For A Brown – Part I 
9. “We’ve Had A Bomb Threat” 
10. Pound For A Brown – Part II 

CD 5
Armadillo World Headquarters – Live In Austin, TX, 5/21/1975

Continued
1. Advance Romance 
2. Florentine Pogen 
3. Montana 
4. Camarillo Brillo 
5. Muffin Man 
6. Willie The Pimp 
7. Claremont Rehearsal 
8. Poofter’s Froth Wyoming Plans Ahead 
9. Portuguese Lunar Landing 

BLU-RAY AUDIO
Bongo Fury – The Album + Bonus Audio

Dolby Atmos / 24-bit/96kHz Dolby TrueHD 5.1 / 24-bit/192kHz PCM Stereo / 24-bit/96kHz PCM Stereo
Bongo Fury – The Album
1. Debra Kadabra
2. Carolina Hard-Core Ecstasy 
3. Sam With The Showing Scalp Flat Top
4. Poofter’s Froth Wyoming Plans Ahead
5. 200 Years Old
6. Cucamonga
7. Advance Romance
8. Man With The Woman Head 
9. Muffin Man 
Bonus Audio
1. The Torture Never Stops (Original Version) 
2. Debra Kadabra (1993 UMRK 6-Channel Mix) 
3. Poofter’s Froth Wyoming Plans Ahead (1993 UMRK 6-Channel Mix) 


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 45x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • LP 1: „Bongo Fury“
  • Seite A (20:25):
  • Debra Kadabra
  • Carolina Hard-Core Ecstasy
  • Sam With The Showing Scalp Flat Top
  • Poofter's Froth Wyoming Plans Ahead
  • 200 Years Old
  • Seite B (20:46):
  • Cucamonga
  • Advance Romance
  • Man With The Woman Head
  • Muffin Man
  • Bonus-LP: „Bonus Fury“
  • Seite C (17:27):
  • Carolina Hard-Core Ecstasy (Long Version)
  • Man With The Woman Head (Isolated Vocal)
  • Muffin Man / A Little Green Rosetta (Alternate Take)
  • Born To Suck
  • Seite D (19:57):
  • The Torture Never Stops (Original Version, 2025 Mix)
  • Poofters Froth Wyoming Plans Ahead (Claremont Rehearsal)
  • 200 Years Old (Long Version)

Besetzung:

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Interviews:
  • keine Interviews
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